Alles halb so wild und nicht so gemeint? Wohl kaum. Diskriminierung kann auf Grund des Geschlechts, der geschlechtlichen Identität, der sexuellen Orientierung, der Hautfarbe, der Religion, einer körperlichen Beeinträchtigung, aber auch aufgrund von Alter oder gesellschaftlichem Status erfolgen und hat zutiefst negative Folgen für die Betroffenen.

Aus genau diesem Grund hat sich der Jugendförderverein JFV Neuseenland, ein noch recht junger Fußballverein mit Sitz in Markleeberg unweit von Leipzig, auf den Weg gemacht. Der Auftakt: Ein Workshop zum Thema „Diskriminierung im Sport begegnen“ des Projektes „Im Sport verein(t) für Demokratie“ des Landessportbundes Sachsen (LSB). Soziale Themen waren, so Sebastian Seyffert, Vorstandsmitglied und Nachwuchskoordinator, dem Verein von Anfang an wichtig: „Wir wollen gemeinsam mit den SportlerInnen an ihren persönlichen Wünschen und Zielen im Fußball arbeiten. Da können wir Diskriminierung auf dem Platz nicht gebrauchen.“ Kinder und Jugendliche sollen Lust auf Vereinssport entwickeln und die Förderung bekommen, die sie brauchen, unabhängig ob Mädchen oder Junge, muslimisch oder gleich welcher Hautfarbe. „Aus allen können gute FußballerInnen werden – wir wollen niemanden ausschließen.“

Doch wo genau beginnt eigentlich Diskriminierung? Ist ein im Trainingsspiel an den Mitspieler gerichtetes „Du Schwuchtel“ schon Anlass dafür, als TrainerIn einzugreifen? Immer dann, wenn jemand aufgrund einer Zuordnung zu einer bestimmten Gruppe abgewertet oder schlechter behandelt wird, spricht man von Diskriminierung, erklärt Kristin Pröger, Mitarbeiterin im LSB-Projekt „Im Sport verein(t) für Demokratie“.

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„Diskriminierung kann ganz bewusst, aber manchmal auch unbeabsichtigt passieren.“ Wichtig sei ein sensibler Umgang damit, denn auch Sprache ist sehr mächtig und kann Menschen verletzen. „Man sollte immer aus der Perspektive des Betroffenen fragen: Wie oft hat er eine solche Äußerung und Bemerkung schon gehört und was macht es mit ihm oder ihr?“, sagt Kristin Pröger weiter. Am Thematisieren solcher Äußerungen und damit am Eingreifen führe daher zukünftig nichts vorbei, da waren sich die Nachwuchstrainer des JFV Neuseenland einig. Das erfordert die Auseinandersetzung mit dem Thema Diskriminierung und einen eigenen klaren Standpunkt. Nick Keppler, Trainer der Kickers 94 Markkleeberg D1-Jugend, drückt es so aus: „Mich hat der Workshop dazu gebracht, mich und meine eigenen Verhaltensweisen zu reflektieren“. Dem fügt sein Trainerkollege David Kreiß, Trainer des Kickers 94 Markkleeberg E1-Teams, hinzu: „Manches öffnet einem schon die Augen, wofür man vorher gar keinen Blick hatte. Rückblickend erkenne ich Situationen, in denen ich hätte etwas anders machen müssen.“

Dennoch ist nicht alles als Diskriminierung zu bewerten, auch das nahmen die Nachwuchstrainer mit. Wenn jemand auf Grund seiner sportlichen Leistung nicht für die erste Mannschaft geeignet ist, dann hat das sachliche Gründe und ist keine Diskriminierung. Diese Handlungssicherheit zu erlangen, das sei für ihn ein ganz wesentliches Ergebnis dieses Tages, so Sebastian Seyffert. Denn oft verhindere gerade die eigene Unsicherheit, dass man im konkreten Fall dann nicht klar Kante zeige und lieber so tue, als hätte man den Kommentar nicht gehört.

Für die Zukunft ist der JFV Neuseeland also gut gerüstet? „Es bleibt natürlich schon noch einiges zu tun.“ Der Verein möchte das Thema nachhaltig verankern, präventiv tätig sein. Noch am Workshoptag begannen die Trainer deshalb erste Ideen festzuhalten. Es war von einer verantwortlichen Person die Rede, die das Thema immer wachhält. Von einer klaren Haltung des Vereins für ein diskriminierungsfreies Miteinander, nach innen in alle Mannschaften und nach außen, beispielsweise in Richtung Eltern. Und davon, das Thema Diskriminierung auch ganz niedrigschwellig und spielerisch in die Kinder- und Jugendgruppen aufzunehmen und für die Auswirkungen auf die Betroffenen zu sensibilisieren. So sagt Conrad Bremme, Trainer der JFV C2-Jugend und organisatorischer Leiter im JFV, „die von den Referenten gelebte interaktive und spielerische Prävention hat mir Ideen mitgegeben, wie man auch innerhalb des eigenen Vereins mit einem derart sensiblen Thema umgehen kann.“

Ganz schön viel vor also. Gut, wenn man damit nicht allein dasteht. Denn auch der enge Kontakt zum Landessportbund Sachsen und dem Projekt „Im Sport verein(t) für Demokratie“ bleibt erhalten. Und auch für alle anderen Vereine, die sich präventiv oder bei einem konkreten Konfliktfall Unterstützung wünschen, steht das LSB-Demokratieteam gerne für eine vertrauliche Beratung zur Verfügung.

Das LSB-Projekt bietet Beratung und Workshops zu den Themen Diskriminierung, Konfliktmanagement und Ehrenamtsförderung an. Es unterstützt Sportvereine aller Sportarten sowohl dabei, diskriminierende Vorfälle oder Konflikte aufzuarbeiten als auch präventiv vorzubeugen. Die Angebote werden von ausgebildeten Demokratie- und Konflikttrainerinnen und Trainern im Sport durchgeführt und sind für Vereine und Verbände kostenlos. Auf unserer Webseite gibt es weitere Informationen.

LSB-Ansprechpersonen

Robert Großpietsch
Projektleiter „Im Sport verein(t) für Demokratie“
Anna-Katharina Hagedorn
Mitarbeiterin Projekt „Im Sport verein(t) für Demokratie“