Was sich komplex anhört, findet in vielen Sportverbänden seit einiger Zeit intensiven Eingang in die tägliche Arbeit. Was aber verbirgt sich hinter einer „digitalen Transformation“? Welche Ansätze gibt es? Und wie können Vereine und Verbände diese nutzen, um sich (noch mehr) zu vernetzen und damit dem Qualitätsanspruch in der Bildungsarbeit gerecht werden?

Diesen Fragen stellte sich der Landessportbund Sachsen (LSB) gemeinsam mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zum Fachforum Bildung 2018 im Rahmen eines Blended-Conference Formates: Im Vorfeld des Treffens in Leipzig konnten sich die Teilnehmer/innen bereits online im DOSB-Wissensnetz austauschen, beispielsweise zu den Fachvorträgen und Workshops des ersten Tages. Für den zweiten Konferenztag hatten alle Teilnehmer/innen die Möglichkeit, eigene Arbeitskreise oder Thementische anzumelden und im Vorfeld online kurz vorzustellen. Zudem wurden alle Aktivitäten und Ergebnisse in Leipzig im Wissensnetz dokumentiert, sodass alle Teilnehmer/innen und auch diejenigen, welche nicht dabei sein konnten, alles noch einmal nachlesen können.

Vor Ort in Leipzig wurde mit über 100 Beteiligten an der Veranstaltung ein neuer Teilnehmerrekord aufgestellt. Zahlreiche Workshops und Vorträge informierten über aktuelle und mögliche zukünftige Entwicklungen im Bereich Aus- und Weiterbildung, auch mit Hilfe von praktischen Beispielen aus den Sportverbänden.

Der LSB Sachsen stellte im Rahmen eines Workshops ebenfalls ein innovatives Projekt vor: Das LSB Bildungsnetzwerk Mitteldeutschland, ein Zusammenschluss der Landessportbünde Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Vortragenden Ines Hellner, Heike Wichmann, Achim Gless und Tom Seifert gingen auf die Herausforderung der rückläufigen Teilnehmerzahlen in Aus- und Fortbildungen ein und rieten zur Ansprache neuer Zielgruppen und deren Motivation durch flexible und kreative Arbeits- und Lernmodelle, wie sie beispielsweise auf der Onlineplattform SportCampus des LSB Bildungsnetzwerk Mitteldeutschland möglich sind. 

Die Vortragenden betonten weiterhin, dass es Zeit, Durchhaltevermögen und Motivation brauche, um Bildungsmaßnahmen auch in Zukunft erfolgreich durchzuführen. In der anschließenden Diskussion stand insbesondere der Punkt "Veränderungen annehmen" im Fokus. Der Mehrwert einer (digitalen) Transformation müsse erst in allen Ebenen eines Verbandes erkannt und Unterstützung zugesichert werden, bevor ein Veränderungsprozess erfolgreich gelingen kann. Dafür müssen vorab Herausforderung und Zielstellung definiert sein, denn gerade Digitalisierung ist eine methodisch-didaktische Vorgehensweise und keine technische Lösung. Digitale Lernprozesse sind somit eine Ergänzung zu "analogen" Prozessen, ersetzen sie aber nicht.

Als Mehrwerte der digitalen Bildungsarbeit stellte die Gruppe unter anderem eine Stärkung der Zusammenarbeit, das informelle Lernen eine umfassendere Vernetzung heraus. Es sei wichtig, sich für Fragen der digitalen Transformation Verbündete zu suchen, um gemeinsam die Chancen und Mehrwerte zu kommunizieren. Das helfe auch dabei, das Problem der personellen Fluktuation, das in vielen Verbänden eine Herausforderung darstellt, zu minimieren. Diese Verbündeten findet man beispielsweise

  • in der breiten Masse, z.B. bei den Referent/innen in der Ausführungsebene
  • von oben, z.B. bei Vorständen und Geschäftsführer/innen
  • von „nebenan“, z.B. in anderen Geschäftsbereichen oder in anderen Sportverbänden
  • in Gremien

Ein ganz praktisches Vernetzungsbeispiel waren die Kaffee- und Mittagspausen, welche im Sinne von „Tue Gutes und rede darüber!“ genutzt wurden, um Kolleg/innen für eigene Ideen zu begeistern. Über die Vernetzung auch in Bereiche außerhalb der Bildung bieten sich neue Chancen, aber auch neue Herausforderungen. Der LSB Sachsen als gastgebender Sportbund bedankt sich bei allen Beteiligten