In einer solchen Kältekammer wird eine Temperatur von -110 °C bei sehr geringer Luftfeuchtigkeit (trockene Kälte) vorgehalten, wobei von einer positiven Wirkung der Applikation ab -100 °C ausgegangen wird.

Geschichte der Ganzkörperkältetherapie

Kälte als Therapieanwendung ist schon seit der Antike bekannt. Bereits Hippokrates und Galen, zwei berühmte griechische Ärzte des Altertums, beschrieben den Einsatz von Eis/Eiswasser bei Schmerzen, zur Fiebersenkung, bei Schwellungen und zur Blutstillung. Der bekannteste deutsche Vorläufer der GKKT dürfte wohl die Anwendung kurzer kalter Vollbäder nach Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) sein. Auch durch die PECH-Regel (Pause, Eis, Compression, Hochlagern) als Sofortmaßnahme bei fast allen Sportverletzungen kennt jeder Sportler und Trainer den Nutzen der Kälte.

Die heutige GKKT wurde von dem Japaner T. Yamauchi zur Behandlung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen entwickelt. Er stellte 1978 auf dem Europäischen Kongress für Rheumatologie erstmals die GGKT in einer Kältekammer vor. Seit Mitte der 80-er Jahre erfolgte dann auch in Deutschland allmählich die Verbreitung der GKKT bei der Behandlung von Erkrankungen des Bewegungsapparats. Seit etlichen Jahren hat der Einsatz der GKKT auch im Leistungssport Einzug gehalten. So nutzen beispielsweise auch einige Fußballclubs der 1. Bundesliga regelmäßig die Kältekammer. Das Olympische und Paralympische Trainingszentrum für Deutschland in Kienbaum verfügt ebenfalls über eine Kältekammer.

Nutzung der Kältekammer im Leistungs- und Wettkampfsport

Im Sport wird die GKKT zur Verbesserung und Beschleunigung der Regerationsprozesse, zur Schmerzreduktion, zur Vermeidung eines Übertrainings sowie zur Leistungsoptimierung eingesetzt. Die prozentual erreichbare Leistungssteigerung hängt dabei stark vom jeweiligen Leistungsniveau ab. Im Spitzenbereich kommt es nur, wenn überhaupt, zu einer geringfügigen Leistungsverbesserung von maximal einem bis zwei Prozent, im unteren Leistungsniveau bis zu zehn Prozent. Der wichtigste Effekt der GKKT im Sport besteht in der Verbesserung und Beschleunigung der Regeneration und damit in der Vermeidung und Minimierung von Fehl- oder Überlastungsschäden. Nach Sportverletzungen, wie Prellungen, Verstauchungen und Zerrungen, unterstützt der Aufenthalt in der Kältekammer den Heilungsprozess.

Durch die Kälteapplikation in der Kältekammer werden bei Sportlern vorrangig folgende Wirkungen genutzt: Schmerzlinderung bzw. Schmerzaufhebung als Soforteffekt durch Blockierung der Schmerzrezeptoren, Regulation des Muskeltonus, Verbesserung der Muskeldurchblutung, Ökonomisierung des Muskelstoffwechsels, Funktionsverbesserung der Gelenke, Stärkung des Immunsystems, Regulation des zentralen Aktivitätsniveaus sowie eine psychophysische Leistungsstimulierung.

Wie erfolgt der Aufenthalt in der Kältekammer?

Zur Akklimatisierung und Verdampfung der Restfeuchtigkeit auf der Haut erfolgt zunächst ein Kurzaufenthalt in einer Vorkammer bei etwa -60 °C (Es gibt auch Kältekammern mit zwei Vorkammern: -10°C und -60 °C.). Der nachfolgende Aufenthalt in der eigentlichen Anwendungskammer bei -110 °C erfolgt in der Regel zwischen zwei bis drei Minuten. Um möglichst viel Körperoberfläche der Kälteapplikation auszusetzen, sollte die Kältekammer in Badehose bzw. im Bikini betreten werden. Die durch Kälte besonders gefährdeten Akren (körperstammferne Körperspitzen, also die „Enden“ des Körpers) müssen vor einer Erfrierung geschützt werden. Das sind Nase, Ohren, Hände und Füße. Also sind das Tragen von Mütze, Mund-Nasen-Schutz, Handschuhen, Socken und Schuhen wichtig.

Während des Aufenthalts in der Kältekammer wird langsames Gehen im Kreis unter Vermeidung hektischer Bewegungen empfohlen. Durch die trockene Kälte wird die Temperatur nicht als so kalt wahrgenommen wie beispielsweise Eisbaden oder eine Eistonne. Nach Verlassen der Kältekammer verspürt man ein leichtes und angenehmes Kribbeln und hat eine leicht gerötete Haut. Durch Freisetzung von Endorphinen verbessern sich Stimmung und Wohlbefinden.

Was ist sonst noch zu beachten?

Vor einem Aufenthalt in der Kältekammer sollte der Sportler mit seinem Haus- oder Sportarzt, Trainer und Sportphysiotherapeuten darüber sprechen. Es gibt natürlich auch einige Kontraindikationen für den Aufenthalt in einer Kältekammer, z. B. Platzangst (Agoraphobie) oder andere Angststörungen mit Panikattacken, ein nicht ausreichend gut eingestellter Bluthochdruck, periphere Durchblutungsstörungen (Morbus Raynaud) und andere Krankheiten, die durch Kälte verschlimmert werden können. Die Kältekammer muss mit in den Trainingsplan eingebaut und eingeplant werden und ersetzt nicht ein optimales Training mit einem vernünftigen Trainingsaufbau und einem ausgewogenen Wechsel von Be- und Entlastung.

Dr. med. Ina Ueberschär, Chefärztin des MEDIAN Sportmedizinischen Instituts Leipzig