Seit 2012 gelten mit dem von der Bundesregierung verabschiedeten Bundeskinderschutzgesetz neue Richtlinien im Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII), u.a. zum Umgang mit dem erweiterten polizeilichen Führungszeugnis. Grundlegend richtet sich deren Umsetzung zunächst an die Träger der öffentlichen Jugendhilfe, doch auch im organisierten Sport sind Auswirkungen zu spüren.

Parallel zu diesem neuen Bundeskinderschutzgesetz haben der Deutsche Olympische Sportbund und die Deutsche Sportjugend auf der Grundlage der Selbstverpflichtungserklärung „Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport - Vorbeugen und Aufklären, Hinsehen und Handeln!", welche die Mitgliederversammlung des DOSB am 4. Dezember 2010 in München einstimmig verabschiedet hat, ein eigenes Verfahren zur Prävention von sexualisierter Gewalt im Sport als Empfehlung für die Mitgliedsorganisationen in die Wege geleitet.

Für den LSB und die SJS ist der Kinderschutz im Sportverein Kernaufgabe und Herzensangelegenheit zugleich. Ziel der Arbeit in diesem Themenbereich muss es sein, eine gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen jederzeit zu gewährleisten, und speziell den Sportverein zu einem „sicheren Ort“ für jede Altersgruppe zu machen. Mit der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung zwischen LSB und dem Deutschen Kinderschutzbund Landesverband Sachsen bei der Hauptausschusstagung 2011 in Kesselsdorf wurde der Grundstein für eine fruchtbare Zusammenarbeit gelegt.

Zum Aufbau eines Sensibilisierungssystems im Sport in Sachsen führt die SJS das Projekt „Starke Kinder im Sport! Training mit Verantwortung“ durch. Weiterführende Informationen zu dem Projekt gibt es unter der Rubrik "Projekte".

Präventive Maßnahmen zum Kinderschutz im Sportverein

Klar ist, dass die Verantwortung beim Sportverein/-verband selbst liegen muss. Diese beinhaltet ganz allgemein eine Sensibilisierung aller haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter für das Thema, geht aber noch viel tiefer. Um bestmöglich aufgestellt und abgesichert zu sein, und den Kindern und Jugendlichen optimalen Schutz zu bieten, gibt es einiges zu beachten. Hier sind die wichtigsten Schritte erklärt und mit allen grundlegenden Informationen und den empfohlenen Dokumentenvorlagen versehen.

Schritte und Bausteine für ein Präventionskonzept

Kinderschutz geht uns alle an – das muss jedem Vereinsvorstand klar sein. Und weil Vorsorge besser ist als Nachsorge, wird jeder verantwortungsvolle Vereinsvorstand einsehen, dass es wichtig ist, hier aktiv bzw. noch aktiver zu werden.

Am Anfang steht im Allgemeinen die Benennung eines Verantwortlichen / Ansprechpartners bzw. die Gründung einer Arbeitsgruppe. Diese dient als zentrale Stelle und Ansprechpartner bei der Koordination der folgenden Schritte. Diese Arbeitsgruppe bzw. dieser Verantwortliche beschließt gemeinsam mit dem Vorstand, welche Maßnahmen in welchem Zeitraum umgesetzt werden sollen. Gern kann an dieser Stelle auch die SJS (siehe nebenstehender Kontakt) hinzugezogen werden.

Die Tatsache, dass der Verein/Verband sich für den Schutz von Kindern und Jugendlichen einsetzt, sollte eindeutig im Übungsleitervertrag festgehalten sein. Diesen Übungsleiter-/Betreuervertrag sollte jeder unterzeichnen, der im Verein mit der Betreuung von Kindern und Jugendlichen beauftragt ist, ungeachtet dessen, ob der- oder diejenige im Besitz einer gültigen Übungsleiter-, Trainer-, Jugendleiter- oder Vereinsmanagerlizenz ist. Einen Muster–Vertrag mit der entsprechenden Formulierung finden Sie hier: Muster-ÜL-Vertrag.

Weiterhin ist es ratsam, alle ehrenamtlich und hauptamtlich Tätigen im Kinder- und Jugendbereich den Ehrenkodex unterschreiben zu lassen. Ergänzend besteht die Möglichkeit, intern Regeln zu formulieren, die den Umgang von ÜL / Betreuer / Trainer mit Minderjährigen erleichtern und eine Orientierung bieten, wo der Verein / Verband seine Grenzen zieht.

Außerdem besteht die Möglichkeit, auch in der Satzung des Vereins / Verbandes den Kinderschutzgedanken einzuarbeiten. Die bereitgestellten Formulare können auf die spezifischen Gegebenheiten der eigenen Organisation angepasst werden.

Folgende Empfehlungen werden ausgesprochen:

Hauptamt:
Auf der Grundlage von § 72a SGB VIII sollte von allen hauptberuflich beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kinder- und Jugendarbeit im Sportverein/-verband ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis eingesehen werden.

Ehrenamt:
Der Verein / Verband kann selbst festlegen, ob er von ehrenamtlich Tätigen erweiterte polizeiliche Führungszeugnisse einsehen möchte oder nicht. Es besteht außerdem die Möglichkeit, dass auf der Grundlage regionaler Vereinbarungen zwischen dem Träger der öffentlichen Jugendhilfe und der jeweiligen Kreis- bzw. Stadtsportjugend (als Träger der freien Jugendhilfe) auch erweiterte Führungszeugnisse für Ehrenamtliche nötig sein können.

Ehrenamtlich Aktive können das erweiterte Führungszeugnis kostenfrei beantragen, wenn eine Bescheinigung des Sportvereins oder Sportverbandes über die ehrenamtliche Tätigkeit und der Anforderung des Führungszeugnisses auf Grundlage von § 72 a SGB VIII beigefügt wird. In dem Merkblatt des Bundesamtes für Justiz (Stand: 1. Januar 2013) kann dies nachgelesen werden.

BEACHTE!
Für die Einsichtnahme in das erweiterte polizeiliche Führungszeugnis gelten strenge Regelungen zum Einhalten des Datenschutzes. Es darf also nicht das Führungszeugnis selbst (oder eine Kopie dessen) archiviert werden, sondern nur ein Formblatt, welches die Einsichtnahme dokumentiert. Das Führungszeugnis selbst bleibt im Besitz des Übungsleiters/Betreuers. Wie häufig ein neues erweitertes, polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt werden soll, legt der Verein/Verband selbst fest. Wir empfehlen ein Intervall von fünf Jahren.

Resümee

Der Sportverein/-verband ist damit für die Einsichtnahme des erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses und die Unterzeichnung der Ehrenkodizes im Rahmen der Übungsleiter- und Betreuerverträge bei haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern/innen zuständig. Wir empfehlen den Sportvereinen und -verbänden in Sachsen die Umsetzung dieser präventiven Maßnahmen im Sinne des Schutzes der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen.

Für Fragen, die das Thema "Kinderschutz im Sportverein" betreffen, wenden Sie sich gern an Mareen Thiel. Außerdem erreichen Sie den Kinderschutzbund in Sachsen als Kooperationspartner wie folgt:

Deutscher Kinderschutzbund Landesverband Sachsen e. V.
Klopstockstraße 50
01157 Dresden

Ansprechpartnerin: Katja Sturm
Tel.: 0351-4242006
Fax: 0351-4242066

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Informationsmaterial:

Weiterführende Materialien finden Sie auch auf der Homepage der Deutschen Sportjugend.