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Internationale Jugendarbeit

Ein Fachkräfteaustausch zwischen Neugierde und Zweifel

Die stellv. Vorsitzende der Sportjugend Sachsen (SJS), Carolin Aepfler, nahm am diesjährigen Deutsch-Chinesischen Fachkräfteprogramm der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland teil und hat dabei den Sport vertreten. Jetzt erzählt sie von ihren Erlebnissen.

China 2 Foto: IJAB

Carolin Aepfler sammelt internationale Erfahrungen in China

Vom 26. Juni bis einschließlich 1. Juli 2017 ging es für Carolin nach China. Der Fachaufenthalt wurde in Zusammenarbeit mit dem Allchinesischen Jugendverband der Volksrepublik China sowie dem China Youth Center for International Exchange durchgeführt.

Bericht von Carolin Aepfler:

In Begleitung von vier Vertretern deutscher Jugendverbände durfte ich im Juni an einem Fachkräfteaustausch zum Thema „Gesundes Aufwachsen junger Menschen“ teilnehmen. Die Reise führte uns nach China. Unter der Delegationsleitung der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik reisten wir zunächst nach Beijing, anschließend nach Jinan, um uns vor Ort mit chinesischen Jugendvertretern thematisch auszutauschen sowie Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit zu besuchen.

Nach einem anstrengenden 10h-Nachtflug wurden wir, dem Jetlag zum Trotz, sogleich in das straffe 6-Tage-Allround-Programm „geworfen“ - beginnend mit einem Besuch der Jugendbildungsstätte der All Chinese Youth Federation („ACYF“; quasi dem Bundesjugendministerium) - weitere Bildungsstätten sollten folgen.

In China gibt es bisher keine Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe, jedoch den Regierungserlass diese aufzubauen nach deutschem Vorbild. Also plauderten wir in Gesprächen mit hochrangigen Funktionären der ACYF fleißig aus dem Nähkästchen über Stärken und Schwachstellen der deutschen Kinder- und Jugendhilfe.

China 1  Foto: Carolin Aepfler In Jinan besuchten wir eine Grund- und Oberschule. Hier zeigten uns die Schüler ihre Künste in Kaligraphie, im Musizieren und im Tai Chi - in einer super synchronen Performance aller 300 Kinder. Wir waren natürlich beeindruckt, aber auch erschrocken über die Disziplin, Ordnung und des Kollektivismus in den Schulen. Da wir dies noch öfters erlebten, ergab sich zwingend die Frage: Wie ergeht es dem einzelnen Schüler, der vielleicht „anders“ ist, andere Interessen oder gar Ängste hegt? Zum Unmut getraute ich mir die Frage zu stellen. Die knirschende Antwort: Im Sinne der Harmonie und Gemeinschaft werden diese Kinder in Gesprächen mit Coaches „identical“ gemacht …

Einen Einblick in den wirklichen Alltag erhielten wir in der „Sports University of Shandong“, wo uns der Direktor überraschend offen Rede und Antwort stand. Der Spitzensport in China genießt höchstes politisches Interesse und somit eine komfortable finanzielle Förderung. Gleichwohl die Strukturen dem deutschen Leistungssportssystem sehr ähneln. Auch hier sind Sportarten an Stützpunkten mit Eliteschulen sowie Internate zentriert. In der Talentsichtung und -entwicklung sowie in der Organisation der Dualen Karriere haben die Chinesen leider kein anderes „Erfolgsrezept“ wie wir Deutschen. Allerdings erfreuen sich Spitzensportler einer besseren staatlichen Förderung und die Schulen einer besseren Ausstattung an Sportstätten.

Neben den offiziellen Terminen schlenderten wir in Beijing über den Platz des himmlischen Friedens sowie durch die verbotene Stadt, wo bis vor 100 Jahren die chinesischen Kaiser residierten. Das absolut seltene Highlight erlebten wir gleich am Anreisetag – eine strahlende Sonne am Pekinger Himmel. Ansonsten mussten wir uns mit 40 Grad Celsius und Smog begnügen.

Die reinste (Gaumen-) Freude war der vielfältige Genuss chinesischer Kulinaritäten, wie z. B. frisches Seafood oder eine echte Peking Ente. Eine Essenszeremonie dauert gut und gerne über zwei Stunden, wobei in dieser entspannten Situation die tatsächlichen Gespräche über Politik und Gesellschaft stattfanden und man interessante Hintergrundinformationen erfahren konnte.

Abgesehen davon, dass ich geflasht war von den unvergesslichen Eindrücken und Begegnungen, stellten sich mir viele, viele Fragen. So u. a. die Bedenken, ob all dies, was uns in Gesprächen berichtet wurde, was wir gesehen haben, der wirklichen Tatsache entsprach. Vieles erschien uns so perfekt und abgestimmt auf unsere Erwartungen. Wir durften nie das tatsächliche Treiben in den besuchten Institutionen erleben - dafür zahlreiche Vorführungen. Aber bekanntlich beherrschen die Chinesen einen meisterlichen Euphemismus.

Auf jeden Fall war dies nicht meine letzte Reise nach China. Der Fachkräfteaustausch hat meine Neugierde nun richtig geweckt!

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