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Sportjugend Sachsen

dsj stellt Studie zur sexualisierten Gewalt im Sport vor

Am 15. November 2016 war die Deutsche Sportjugend (dsj) zu Gast in Leipzig. In Kooperation mit der Sportjugend Sachsen (SJS) veranstaltete sie das 7. Forum „Gegen sexualisierte Gewalt im Sport“, bei dem die aktuellen Forschungsergebnisse des Projekts „Safe Sport“ vorgestellt und diskutiert wurden.

Logo DSJ Rund 100 Akteure, die sich in Vereinen, Verbänden und Sportbünden mit diesem Thema intensiv auseinandersetzen, sind aus dem gesamten Bundesgebiet zur Veranstaltung in den Mediencampus Villa Ida nach Leipzig angereist. Unter ihnen waren auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter sächsischer Sportstrukturen, bei denen die Prävention sexualisierter Gewalt im Sport schon aktiv seit einigen Jahren angegangen und umgesetzt wird.

Die SJS engagiert sich federführend und gemeinsam mit dem Landessportbund Sachsen (LSB) und dessen Mitgliedsorganisationen im Freistaat Sachsen in diesem Handlungsfeld für eine sichere und wohlbehütete Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen in Sportvereinen.

dsj Forum  Foto: Thomas Buchmann (E-Mail ) Zu den Gästen zählten Dr. Petra Tzschoppe (Vizepräsidentin für Frauen und Gleichstellung des DOSB), Jan Holze (Vorsitzender der dsj), Angela Geyer (Vizepräsidentin Sportentwicklung/Breitensport des LSB) sowie Carolin Aepfler (Vorstandsmitglied und Kinderschutz-Ressortverantwortliche der SJS). Ebenso erfreulich war es, dass die zuständige Referatsleiterin des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz, Dr. Anke Schröder, vor Ort die Ergebnispräsentationen mit verfolgte und die herzlichen Grüße von Staatsministerin Barbara Klepsch überbrachte.

dsj Forum  Foto: Thomas Buchmann (E-Mail ) In einem kurzen Begrüßungstalk stellten vor allem Angela Geyer und Carolin Aepfler das gemeinsame und erfolgreiche Agieren von LSB und SJS vor und verdeutlichten, welche Präventionsmaßnahmen im Sinne der Münchner Erklärung 2010 des DOSB in Sachsen im engen Schulterschluss mit Mitgliedsorganisationen und dem Deutschen Kinderschutzbund Landesverband Sachsen sowie der dsj zum einen initiiert und zum anderen bereits umgesetzt wurden.

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Das Forschungsprojekt „Safe Sport“ kann erstmals Daten zu sexualisierter Gewalt im organisierten Sport in Deutschland vorlegen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln und des Universitätsklinikums Ulm untersuchen aktuell im Forschungsprojekt die Häufigkeiten und Formen von sexualisierter Gewalt im Wettkampf- und Leistungssport sowie den Umsetzungsstand von Maßnahmen zur Prävention und Intervention in Sportverbänden und -vereinen. Diese wurden den Teilnehmenden in Leipzig am Vormittag vorgestellt und im Nachmittag in vier Workshops vertiefend mit allen Akteuren beraten, diskutiert und mit guten Praxisbeispielen zur Prävention aus Vereinen und Verbänden untermauert. Die ersten Ergebnisse von Safe Sport sind in einer Broschüre aufgearbeitet und stehen neben den folgenden zusammenfassende Ausführungen zum Download (PDF, 523 kB) bereit. In einem kurzen Videobeitrag  erhalten Sie auch nochmal einen Eindruck der Veranstaltung vor Ort.

Der LSB und die SJS werden sich weiterhin für dieses Handlungsfeld aktiv einsetzen und Mitgliedsorganisationen und Vereine kompetent unterstützen, qualifizieren, beraten und begleiten.

Zusammenfassung der Studienergebnisse

Sexualisierte Gewalt kommt auch im Wettkampf- und Leistungssport vor, und zwar nicht häufiger oder seltener als in der Allgemeinbevölkerung – dies ist ein zentraler Befund des aus mehreren Teilstudien bestehenden Projekts. Rund 1.800 Kaderathlet/innen in Deutschland hatten sich an einer Online-Befragung beteiligt und dabei Fragen zu Erfahrungen von sexualisierter Gewalt im Sport beantwortet. Dabei liegt den Studien im Projekt „Safe Sport“ ein weites Begriffsverständnis zugrunde. Es werden neben sexualisierten Gewalthandlungen mit Körperkontakt auch solche ohne Köperkontakt oder grenzverletzendes Verhalten einbezogen.

Etwa ein Drittel aller befragten Kadersportler/innen hat schon einmal eine Form von sexualisierter Gewalt im Sport (im Sinne der zuvor genannten weiten Definition) erfahren. Eine/r von neun der befragten Sportler/innen hat schwere und/oder länger andauernde sexualisierte Gewalt im Sport erlebt. Dabei tritt sexualisierte Gewalt in der Regel nicht isoliert auf, sondern gemeinsam mit anderen Gewaltformen (z.B. emotionale oder körperliche Gewalt). Die Mehrheit der betroffenen Athlet/innen ist bei der ersten Erfahrung sexualisierter Gewalt im Sport unter 18 Jahre alt.

„Die Daten bestätigen, dass Sportverbände und -vereine in der Verantwortung stehen, den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierten Übergriffen zu optimieren“, so die Koordinatorin des Verbundprojekts, Dr. Bettina Rulofs, Deutsche Sporthochschule. Ein großer Teil der deutschen Sportverbände hat diese Notwendigkeit erkannt und verschiedene Maßnahmen zur Prävention und Intervention eingeführt. Dies ist das Ergebnis einer weiteren Teilstudie des Projektes, die zur Zeit den Umsetzungsstand von Präventions- und Interventionsmaßnahmen bei zentralen Mitgliedsorganisationen des DOSB untersucht.

Besonders die dsj und die Landessportbünde mit ihren Sportjugenden können auf Basis dieser Studie als wichtige Impulsgeber für die Einführung und Umsetzung von Präventionsmaßnahmen im Sport bezeichnet werden. So haben z.B. alle Landessportbünde spezifische Ansprechpartner/innen für die Prävention sexualisierter Gewalt benannt. Auch in 80 % der Spitzenverbände und in 54 % der Sportverbände mit besonderen Aufgaben sind Ansprechpersonen vorhanden. Außerdem wurde das Thema in nahezu allen Bundesländern über die Landessportbünde in Qualifizierungsmaßnahmen für Trainer/innen oder Übungsleiter/innen verankert. Alle Landessportbünde sind dabei auch in der Bearbeitung und Beratung von Vorfällen und Verdachtsfällen im Sport aktiv. Seit 2010 wurden sie in mehr als 200 Fällen sexualisierter Gewalt kontaktiert, bei gut einem Drittel der Interventionen wurden auch die Strafverfolgungsbehörden eingebunden. Gut ein Fünftel der Fälle führte zu verbandsinternen rechtlichen Konsequenzen (wie z.B. Ausschluss oder Lizenzentzug).

An der Basis des Sports, in den rund 90.000 Sportvereinen, besteht allerdings noch Bedarf für die Sensibilisierung zum Thema und die konkrete Umsetzung von Schutzmaßnahmen. Im Rahmen einer repräsentativen Vereinsbefragung gab ca. die Hälfte der befragten Vereine an, dass das Thema relevant für Sportvereine sei. Nur gut ein Drittel der Vereine setzt sich nach eigenen Angaben aktiv gegen sexualisierte Gewalt ein. Regelmäßige Schulungen zur Thematik werden nur in 9 % der Vereine durchgeführt und nur jeder zehnte Verein hat eine/n spezifische/n Ansprechpartner/in für die Prävention sexualisierter Gewalt oder für den Kinderschutz benannt.

Der niedrige Umsetzungsstand von konkreten Präventionsmaßnahmen in den Vereinen ist angesichts der Ergebnisse aus der Athlet/innen-Befragung bedenklich, denn sexualisierte Gewalterfahrungen machen Athlet/innen am häufigsten im unmittelbaren Kontext des Vereins. Zugleich beinhaltet die Vereinskultur wichtige Voraussetzungen für den Schutz vor sexualisierter Gewalt, denn – so zeigen es die Ergebnisse der Athlet/innen-Befragung – in Vereinen mit einer klar kommunizierten „Kultur des Hinsehens und der Beteiligung“ ist das Risiko für Athlet/innen, sexualisierte Gewalt zu erfahren, signifikant geringer.

Der dsj-Vorsitzende Jan Holze sagt: „Die Ergebnisse von Safe Sport zeigen, dass die Prävention von sexualisierter Gewalt heute eine wichtige Rolle im gemeinnützig organisierten Sport in Deutschland spielt und das Thema bundesweit verankert ist. Sie bestätigen den Kurs der Deutschen Sportjugend und des DOSB, für eine Kultur der Aufmerksamkeit im Sport mit klaren und nach außen sichtbaren Haltungen gegen sexualisierte Gewalt sowie für Transparenz im Trainingsalltag einzustehen. Um die gezielte Präventionsarbeit für die vom bürgerschaftlichen Engagement getragenen Sportvereine weiter ausbauen zu können, sind kompetente und gut ausgestattete Fachberatungsstellen vor Ort sowie die entsprechende Unterstützung der öffentlichen Hand notwendig.“

Das Forschungsprojekt „Safe Sport“ wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung für eine Laufzeit von drei Jahren gefördert (Okt. 2014 – Sept. 2017). Die Verbundkoordination liegt bei Dr. Bettina Rulofs an der Deutschen Sporthochschule Köln. Das Projekt hat insgesamt drei Kooperationspartner: Deutsche Sporthochschule Köln (Institut für Soziologie und Genderforschung/Institut für Sportökonomie und Sportmanagement), Universitätsklinikum Ulm (Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie) und Deutsche Sportjugend (Ressort Jugendarbeit im Sport).

Quelle: DOSB/dsj

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