Herzhafter Turnier-Riegel

Nahrungsergänzungsmittel

René Dolge zoom Im aktuellen Ernährungstipp befasst sich unser Autor René Dolge mit der Bewertung von Nutzen und Risiken bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln.

Zutaten (für 8 Riegel)

  • 2-3 Eier
  • 100 g Käse, wie Emmentaler, Parmesan, Gouda
  • 100 g gepufftes Getreide (wie Amaranth, Quinoa, Reis, Hirse)
  • 80 g kernlose Oliven und/oder getrocknete Tomaten in Öl
  • 100 g Gemüse, geraspelt oder klein gewürfelt (z. B. Möhre, Kürbis, Zucchini, Rote Bete, Pastinake etc.)
  • 30 g Nüsse
  • 30 g Kerne (wie Sonnenblumen-, Kürbis- oder Pinien-Kerne)
  • 30 g Honig
  • 1 EL Pflanzenöl
  • 2 TL frische Kräuter, z. B. Basilikum, Rosmarin, Thymian oder Tiefkühl-Kräutermix

Gesamtenergie pro Riegel: 201 kcal, Eiweiß: 8,6 g, Kohlenhydrate: 13 g, Fett: 12,1 g

Zubereitung

Käse und Gemüse raspeln. Kerne, Nüsse, Oliven/Tomaten klein hacken und zusammen mit Ei, Honig, gepopptem Getreide und Kräutern zum Gemüse geben. Alles miteinander verrühren und in eine rechteckige Backform (Backpapier darunter) 1-2 cm dick streichen. Die Riegel werden dann etwa 15-20 Minuten bei 180 Grad Ober- und Unterhitze (160 Grad Umluft) gebacken und noch warm etwas flach gedrückt. Nach dem Abkühlen kann die Teigplatte in Riegelgröße geschnitten und für den Wettkampf verpackt werden (halten sich ungekühlt einen und gekühlt drei bis vier Tage).

Tipp: Getreide/ Körner können auch selbst gepufft werden. Einfach eine beschichtete Pfanne ohne Fett erhitzen, die Körner hineingeben, den Herd ausschalten und Deckel drauf. Das Getreide springt dann nach und nach auf und bekommt so die weiche Konsistenz.

Geeignet als: Turniersnack, Zwischenmahlzeit

Nutzen für den Sportler

Der Markt an Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) für Gesundheit und sportliche Leistungsfähigkeit boomt ungebrochen. Der Handel über Internet und spezielle Supplement-Shops machte 2016 allein in Deutschland rund 970 Millionen Euro Umsatz, in den Vereinigten Staaten sogar 37 Milliarden [1]. Dabei existieren nur eine Hand voll Präparate mit nachgewiesenem Nutzen [2]. Die Hersteller sind nicht verpflichtet die Wirkung nachzuweisen und die Verkaufszahlen sind leider auch nicht vom wissenschaftlichen Nachweis möglicher Wirkungen oder Nebenwirkungen abhängig [1]. Dies spiegelt sich auch in der hohen Einnahmehäufigkeit von NEM in der Allgemeinbevölkerung und im Breitensport wieder. Bis zu 88 % der Menschen nehmen NEM ein, obwohl 72 % der Meinung sind, dass es keinen wissenschaftlichen Nachweis für ihren Nutzen gibt. Gefährlich dabei ist, dass 58 % der NEM-Nutzer davon ausgehen, dass die Einnahme keinerlei Nebenwirkungen hat [1]. Häufig nutzen – vermehrt auch Kinder und Jugendliche – Freizeit- und Breitensportler dabei das Internet und Fitnessstudios (anstelle von Diätassistenten, Ernährungswissenschaftlern oder Ärzten), um NEM zu erwerben und sich beraten zu lassen, wobei die Qualität und Sicherheit der Informationen oft fraglich sind [1]. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund zu beachten, dass Breitensportlern nicht zur Einnahme von NEM geraten werden kann, es sei denn, es liegt ein ärztlich diagnostizierter pathologischer Mangel vor [1; 2]. Marketing und Werbung schaffen einen künstlichen Bedarf, so dass Freizeitathleten den Bedarf einzelner Substanzen deutlich überschätzen, ebenso deren Nutzen [1].

Auch im Leistungssport ist die Einnahme von NEM weit verbreitet. Nahezu jede zweite Athletin oder jeder zweite Athlet nimmt täglich ein NEM ein. Gründe dafür sind häufig die Suche nach Leistungserhalt/-steigerung und eine bessere Gesundheit. Dabei bedenken nur wenige die möglichen Nebenwirkungen oder Kontaminationen mit Doping-relevanten Verunreinigungen. Jeder dritte nutzt NEM, welche das AIS (Australisches Institut für Sporternährung) mit keinen oder eher nachteiligen Effekten klassifiziert [1; 2]. Erhältlich sind dabei NEM u. a. aus den Bereichen Sportnahrung (wie Kohlenhydrat-Gels, Sportgetränke, Protein-Pulver und –Riegel etc.), Leistungssteigerung während der Belastung (Creatin, Coffein, Nitrat, Beta-Alanin, Bicarbonat), Mikronährstoffe (bspw. Vitamin D, Kalzium, Zink, Vitamin C u. a.), Verbesserung der Regeneration und Trainingsanpassung (bspw. Omega-3-Fettsäuren, HMB etc.) [3].

Solange keine besonderen Umstände vorhanden sind, wie vegane Ernährung, nachgewiesene Mangelerscheinungen, Allergien und Intoleranzen, Turniertage, eingeschränkte Lebensmittelauwahl (bspw. während Wettkämpfen im Ausland), Gewicht machen in Gewichtsklassen-Sportarten oder ähnliches, kann die natürliche Ernährung alle Nährstoffe abdecken. Vielmehr Potential zur Leistungssteigerung haben die strukturierte Trainingssteuerung, Ernährung im Trainingsalltag und sportpsychologische Aspekte [1; 2; 6]. Erst im Bereich des Elitesports, wo bereits jahrelanger Trainingsaufbau, eine optimal angepasste Ernährung, effektive Regenerationsstrategien und alle mentalen Kniffe vorhanden sind, können einige wenige NEM eventuell kleinste Leistungssteigerungen hervorrufen [2]. Dies setzt voraus, dass mit dem Sportler ein individuell auf seine Bedürfnisse angepasstes Einnahmeprotokoll mit einer im Leistungssport qualifizierten Ernährungsfachkraft aufgestellt und Risiken durch mögliche Negativwirkungen und Verunreinigungen mit Doping relevanten Substanzen weitestgehend ausgeschlossen werden können [2]. Dabei gilt jedoch zu bedenken, dass etwa 12-58 % aller NEM mit nicht deklarierten Substanzen (wie Prohormone und anabole Steroide) verunreinigt sind, welche auf der Verbotsliste der WADA stehen [5].

Bevor ein Supplement in Erwägung gezogen wird, schlagen Maughan und Kollegen folgende Regeln zur Minimierung möglicher Risiken vor [4]: Die Beratung zur Auswahl und Einnahme von NEM sollte nicht durch Freunde, Internet oder selbsternannte Experten, sondern durch Ärzte und anerkannte Ernährungsfachkräfte (siehe bspw. DOSB Arbeitsgemeinschaft Ernährungsberatung) stattfinden. Weiter sind Produkte mit aggressiver Werbung als „Stimulanz“, „Booster“, „extreme“ oder „Gewichtsverlust“ etc. wegen möglicher, nicht deklarierter Doping relevanter Substanzen zu meiden. Auch wenn eine Firma mit zertifizierten Kontrollen bzgl. Verunreinigungen etc. wirbt, kann nie eine hundertprozentige Sicherheit gegeben werden. Dies gilt ebenso für Produkte mit den Bezeichnungen „natürlich“ oder „pflanzlich“. Im besten Fall ist das gewählte Produkt bereits von der WADA überprüft und getestet wurden [4].

Gegenwärtig lässt sich schlussfolgern, dass zu viele Athletinnen und Athleten zu leichtfertig mit der Einnahme von NEM umgehen. Damit setzen sie die eigene Gesundheit und Leistungsfähigkeit aufs Spiel und riskieren obendrein einen positiven Dopingbefund. Neben den vielen Faktoren des sportlichen Erfolges nehmen Nahrungsergänzungsmittel nur eine sehr kleine Rolle ein, so dass die Nutzen-Risiko-Bewertung oft negativ ausfällt [6]. Im Bereich Breiten- und Freizeitsport, sowie bei Kindern und Jugendlichen sind NEM ohne medizinische Indikation fehl am Platz. Erst im Spitzensport können einzelne Substanzen erwogen werden, wenn sie zuvor unter definierten Kriterien überprüft worden sind [6]. Weiterführende Informationen zum Thema findet man auf den Homepages des australischen Instituts für Sporternährung, der Schweizer Gesellschaft für Sporternährung, des DOSB, sowie der WADA und NADA.

Unser Autor René Dolge ist staatlich anerkannter Diätassistent, trägt den Titel „M.Sc.Gesundheits- und Pflegewissenschaft" und arbeitet freiberuflich in der Diät- und Ernährungstherapie. Im Sachsensport und auf den Seiten des Landessportbundes Sachsen unter www.sport-fuer-sachsen.de stellt er monatlich neue praktische Beispiele für sportgerechte Ernährung vor.

Literatur:

[1] Parr, M.K., Schmidtsdorff, S. & Kollmeier, A.S. (2017). Nutritional supplements in sports - sense, nonsense or hazard? Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz, 60(3):314-322. [2] International Olympic Committee Expert Group on Dietary Supplements in Athletes (2018). International Olympic Committee Expert Group Statement on Dietary Supplements in Athletes. International journal of sports nutrition and exercise metabolism, 28(2):102-103. [3] Maughan, R.J. et al. (2018). IOC consensus statement: dietary supplements and the high-performance athlete, British journal of sports medicine, 52(7):439-455. [4] Maughan, R.J., Shirreffs, S.M. & Vernec, A. (2018). Making Decisions About Supplement Use. International journal of sport nutrition and exercise nutrition, 28(2):212-219. [5] Martínez-Sanz, J.M., Sospedra, I., Ortiz, C.M., Baladía, E., Gil-Izquierdo, A. & Ortiz-Moncada, R. (2017). Intended or Unintended Doping? A Review of the Presence of Doping Substances in Dietary Supplements Used in Sports. Nutrients, 9(10). [6] Garthe, I & Maughan, R.J. (2018). Athletes and Supplements: Prevalence and Perspectives. International journal of sport nutrition and exercise metabolism, 28(2):126-138.